Freitag, 29. Mai 2026
Konfliktmoderation - Wege aus der Sackgasse
Wenn die Kommunikation zum Erliegen kommt, kann das richtig teuer werden.
Über 80 Mio. Euro wert ist das Bauprojekt, das zu scheitern drohte, weil Kommune und Investor sich nicht verstanden. Eine sehr fitte Bürgermeisterin hat nochmal einen Anlauf gewagt, die Bauherrin hat sich trotz jahrelangen Frusts darauf eingelassen. Und ich durfte den Parteien dabei helfen, eine tragfähige Arbeitsbasis zu entwickeln, damit es weitergehen kann.
Konfliktmoderation lebt davon, die Perspektiven der Konfliktbeteiligten nachvollziehbar zu machen und die Erwartungen auf ein zumutbares Maß zu bringen. Und was auf keinen Fall fehlen darf: ein Ventil für die mitunter starken Emotionen, die sich im Konflikt aufgestaut haben.
Ich habe in solchen Fällen natürlich eine:n Auftraggeber:in, an die/den ich mich loyal gebunden fühle. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich deren Argumente immer hundertprozentig teile. Es geht nämlich nicht um Egos, um Gewinnen und Verlieren, oder darum, den anderen etwas abzutrotzen. Meistens geht es um langfristige Ziele und um Beziehungen, die im Arbeitsalltag halten. Und nicht nur öffentliche Körperschaften und Wirtschaftsunternehmen sprechen unterschiedliche Sprachen, sondern die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens verstehen sich oft genauso wenig. In diesem Fall ging es darum, ein sehr großes Investment für die Stadt zu sichern. Und die Auftraggeberin wusste, dass es dazu Bereitwilligkeit braucht - auf beiden Seiten übrigens.
So sind wir vorgegangen:
- In vertraulichen Einzelgesprächen mit allen Beteiligten habe ich erstmal zugehört und Fragen gestellt. Aus den vielen Berichten aus unterschiedlichen Rollen und Wahrnehmungen ist eine Art „Heat Map“ sowie ein tiefes Verständnis des Konflikts entstanden.
- In einem ersten gemeinsamen Treffen durften Frust und Ärger einen Raum finden. Die Vergangenheit hatten alle Beteiligten schon erzählt, aber die Emotionen mussten ausgesprochen werden. Dann konnten wir eine Agenda der strittigen Punkte bilden und dazu arbeiten.
- Aus dem Kreis der Teilnehmenden bildete sich spontan eine kleine Gruppe, die sich zu offenen fachlichen Fragen traf. Das passiert eher selten, aber hat das Rad entscheidend weitergedreht.
- Im folgenden Workshop konnten wir dann den zukünftigen Weg beschreiben: zwei Entwürfe für das Bauvorhaben auswählen, die weiter verfolgt werden, den Prozess für die Weiterarbeit definieren und uns auf Regeln für die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Parteien einigen.
Um sich auf eine Konfliktmoderation erfolgreich zu machen, brauchen alle Beteiligten Vertrauen: Vertrauen darauf, dass ich auch die Anliegen der Gegenseite angemessen behandle. Dass die Umgangsregeln durchgesetzt werden, und dass die Personen unbeschädigt aus dem Prozess gehen. Vertrauen darauf, dass im Zweiergespräch geäußerte Dinge vertraulich bleiben und der geschützte Rahmen hält. Sich darauf einzulassen ist - auch emotional - richtig harte Arbeit für die Beteiligten.
Und wenn es gelingt, ist das jedes Mal für mich außerordentlich befriedigend.
