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Mittwoch, 25. Februar 2026

Warum sollte Pakistan kein Lieblingsland sein?

Callum abroad. Die Welt braucht Menschen, die Gräben zuschütten

Wer auf YouTube nach @CallumAbroad sucht, findet den Kanal des 33-jährigen Schotten Callum Mills. Er ist Content Creator und reist an ungewöhnliche Orte: in die ehemalige Heimat von Osama bin Laden, zur Familie des Drogenbarons Pablo Escobar in Kolumbien, nach Mali oder nach Mosul im Irak. Ihn reizt die Grenzüberschreitung, und er sucht das Gespräch mit Menschen, an die andere eher mit Schrecken denken. 

Anfang des Jahres hatte er versucht, mit Freunden in die USA zu reisen. Dazu kam es nicht, denn direkt nach der Landung in Boston wurde Callum von den Grenzbehörden festgenommen, über Stunden verhört und letzlich in Handschellen zurück in ein Flugzeug gesetzt und ausgewiesen - wie ein Verbrecher. Hier erzählt er die ganze Geschichte.

 

Warum finde ich Callums Geschichte erwähnenswert?

Callum wurde zum Verhängnis, dass er diverse Male in Pakistan war und das Land als sein Lieblingsland bezeichnete. Wer auf seinem Kanal mal guckt, findet Pakistan tatsächlich öfter. Und hört von einem jungen Mann, der mit viel Respekt in die fremde Kultur eintaucht. 

Wir brauchen dieser Tage sehr viele Callums: Menschen, die sich nicht in ihre Blase zurückziehen. Die stattdessen offen sind, sich dorthin bewegen, wo andere zu wissen glauben, was sie erwartet -  und aussteigen. Die viele Fragen stellen, anstatt anderen ihre Sichtweise aufzudrängen. Die naiv und offen sind, wo andere überheblich ihre Vermutungen als Wahrheiten weitergeben. 

Ich kenne noch weitere solcher Menschen, hier stellvertretend: 

  • Julie Harris beschreibt in ihrem Artikel auf Substack, wie sie eine Woche mit den verschwörungstheoretischen Freunden ihres alternden Vaters gesessen und nur zugehört hat. Absolut lesenswert!
  • Thabet Azzawi, der 2018 bei unserem TEDxMünster-Event gesprochen hat, ist als syrischer Geflüchteter mit den Teilnehmern der Montagsdemonstrationen in Dresden ins Gespräch gegangen, um ihre Motivation zu erfahren.
  • Thomas Nufer, Künstler aus Münster, hat in Anlehnung an Goethe den West-Östlichen Diwan ins Leben gerufen, wo sich Menschen aus Westfalen und dem arabisch-persischen Kulturraum bei Musik, Tanz, Gesang und Poesie treffen, um die jeweils andere Kultur besser kennenzulernen.

Was uns verloren gegangen ist in einer zunehmenden fragmentierten Gesellschaft ist die Gabe, Anderssein auszuhalten: Andere Meinungen stehenzulassen - auch wenn wir sie ablehnen. Den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Zuzulassen, dass unser Gegenüber zu Schlussfolgerungen kommt, die wir für falsch halten. Und trotzdem die menschliche Verbindung aufrechtzuerhalten.  

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