Seitenanfang

Donnerstag, 04. Dezember 2025

Arbeiten mit dem Co-Design Canvas

Der reale Schmerz iterativer Prozesse - und die beglückende Erfahrung guter Gespräche

In Bochum haben sich kürzlich 50 Planerinnen und Planer daran versucht, gemeinsam komplexe Bau- und Infrastrukturprojekte integriert - wirklich integriert! - aufzusetzen. Dazu haben wir u.a. den #CoDesignCanvas benutzt (entwickelt von Prof. Wina Smeenk an der InHolland University), der wunderbar intuitiv zu benutzen ist und dabei eine irre Komplexität abbilden kann. 

Wo der Co-Design Canvas vor allem stark ist: Er gibt dem Gehirn viel Raum und Bewegungsfreiheit, wo normalerweise Hierarchien und starre Arbeitsabläufe das Denken einschränken. Das ist großartig, um mit vielen verschiedenen Menschen und Gruppen zusammenzuarbeiten, und zwar auf Augenhöhe. 

„Start with the WHY“:

Wie beim berühmten ‚Golden Circle‘ von Simon Sinek guckt sich der Canvas erst einmal die Motivation und dann den Kontext an: Warum soll dieses Projekt gemeinsam angegangen werden? Und was genau möchten die Akteure verändern?

Das ist wichtig, denn dieser Schritt hilft direkt zu Beginn, alle auf eine gemeinsame Linie zu bringen. 

Alle Akteure im Blick:

Wer muss eigentlich alles mitreden? Wer hat ein Anliegen? Und wie sind die Machtverhältnisse unter den verschiedenen Stakeholdern? Der Canvas schafft Übersicht und Transparenz. Und weil er sich mit dem jeweiligen Prozessfortschritt bewegt und verändert, wächst das Bewusstsein für die verschiedenen beteiligten und betroffenen Menschen stetig mit.

Ergebnis und Wirkung:

Wer sich von links nach rechts durch den Canvas bewegt, gelangt zum „WHAT“: dem faktischen Ergebnis, das man sich für das Projekt wünscht. Aber das ist natürlich nicht alles, denn der Co-Design Canvas ist gedacht für Veränderungsprojekte, die wirklich komplexe Themen addressieren, wie Klimawandel, Demografie, oder eben Stadtumbau. Was im Zweifel noch wichtiger ist als ein schöner und funktionaler neuer Platz im Kiez ist das, was sich langfristig oder in die Tiefe verändert: das Miteinander der Generationen, die Zusammenarbeit von Professionellen und Freiwilligen, das Gefühl gemeinsam gelebter Verantwortung. Und auch das findet im Canvas Niederschlag.

Kreuz und quer:

Apropos gehirngerecht: Natürlich muss man sich überhaupt nicht stringent von links nach rechts durch den Canvas bewegen! Man darf: springen, ausprobieren, hin- und her gucken, Zwischenrufe parken, Bedingungen dazwischenschieben. All das, was im richtigen Leben aufploppt. Der Canvas kann das locker bewältigen. Das kann viel Spannung aus der Zusammenarbeit herausnehmen. Und für sehr strukturgewohnte Menschen ist das manchmal erst einmal anstrengend. Weil der Canvas den Fortschritt in Iterationsschleifen ernst nimmt und die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den acht Variablen sehr deutlich zeigt. Wer sich da nicht verstricken möchte, leistet sich eine gute Moderation.

powered by webEdition CMS