Freitag, 21. Juni 2024
Daten sprechen lassen
Storyttelling für Techies ist ein riesiges, lohnenswertes Feld - und braucht Übersetzung auf mehreren Ebenen
Zurzeit coache ich den Verantwortlichen für Datensicherheit eines großen Unternehmens. Der freundliche Mensch, der zu mir kommt, um seine technischen Themen besser zu vermitteln, ist etwa Anfang 40. Er hat ein riesiges Fachwissen, ist leidenschaftlich, engagiert im Job und loyal, und er trägt sehr große Verantwortung. Ein unermesslicher Schatz für seinen Arbeitgeber.
Er trägt am liebsten T-Shirts, ist beliebt bei seinen Kolleginnen und Kollegen und kein riesiger Freund von Hierarchien und Statusgehabe. Warum das wichtig ist? Er ist ein typischer Fachexperte und kommuniziert horizontal*. Warum das eine Rolle spielt?
- Seine Vorstände hören ihm nicht in der angemessenen Weise zu. Weil er nicht ihre Sprache spricht.
Mein Coachee kommt wegen des Storytellings zu mir, um seine Vortragsqualität so zu verbessern, dass andere Menschen seine Inhalte gut verstehen und ihm gerne zuhören. Das üben wir. Wir schälen aus seinen Inhalten das Wesentliche heraus. Wir finden Bilder und Analogien, die verständlich machen, wie Cybersecurity funktioniert. Und wir formulieren für seine Zuhörer:innen klare Botschaften, damit sie nach dem Vortrag losgehen und ihr Verhalten verändern.
Das reicht aber nicht für den Vorstand. Hier braucht es noch eine Übersetzungsleistung der anderen Art. Damit der Vorstand seinen Empfehlungen folgt, muss mein Coachee seine Inhalte und seine gesamte Person in „Vorstandssprache“ übersetzen. Er muss formellere Kleidung wählen, wenn er vor dem Vorstand spricht. Er muss auf seine Körperhaltung achten. Viel weniger Worte benutzen, nach den wichtigen Botschaften Pausen machen, Blickkontakt aufnehmen. Er muss statt in technischen Zusammenhängen in Zahlen sprechen. Kurzum: Er muss all das, für das sein Herz schlägt, hintenan stellen und stattdessen kurz, klar und machtvoll werden: Problem, Rechtsrahmen, Verantwortung, Handlungsempfehlung, Budgetforderung, fertig.
*Das Konzept stammt von Peter Modler, Mit Ignoranten sprechen (2019). Experten kommunizieren typischerweise horizontal, in der Regel mit Kolleg:innen im Projekt oder in der gleichen Abteilung. Sie argumentieren fachlich, intellektuell, detailgetreu. Es geht ihnen eher um das Miteinander als um Status. Und damit laufen sie oft auf.
