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Donnerstag, 17. Oktober 2024

Love, fear & co-creation

Meine Highlights der Design-Thinking-Konferenz 2024

Verbunden sein, Fehler wagen und handwerklich besser werden. Das sind für mich die drei wesentlichen Botschaften der diesjährigen internationalen Design-Thinking-Konferenz, die letzte Woche in Amsterdam stattfand. Im vertrauten Format als Heldenreise durch Vorträge und Workshops konzipiert, gleicht die Konferenz über weite Strecken einer fröhlichen Familienfeier. Viele bekannte Gesichter, aber auch viele neue Stimmen. Was mich jedes Jahr wieder hingehen lässt, sind das überwältigende Potenzial an Kreativität, die Offenheit und Lust zum Experimentieren, die Qualität der Speaker und die vielen Gespräche mit Design Thinkern aus aller Welt von Rumänien bis Singapur, USA bis Norwegen.

Fachlich haben mich vor allem zwei Rednerinnen berührt:

Den buchstäblichen Eimer kalten Wassers goss Jeanne Liedtka über uns aus: Wenn es über bunte Post-it-Zettelchen und Ideen hinausgeht, sind wir oft schlampig in unserer Design-Thinking-Praxis. Wir verlieben uns in unsere Prototypen. Wir testen zu wenig, und wir stellen dabei die falschen Fragen und überhaupt viel zu wenige. Wir testen die Ideen anstelle der dahinter liegenden Vermutungen. Weil es mühselig ist, langwierig - und auch weil es manchmal schier unmöglich scheint, die Auftraggeber von der Notwendigkeit des Tuns zu überzeugen. So verkommt die Methode zur Wohlfühlübung, und wir vergeben die Chance, das kreative Potenzial der Methode auch auf die Phase anzuwenden, die Liedtka die Phase der Wagniskapitalgeber nennt. Dort, wo sich entscheidet, ob das Ergebnis eines Prozesses es in die Produktion oder den Alltag schaffen sollte.

In einen zweiten wunden Punkt stieß die charmante Olga Lehmann, die ihre Doktorarbeit in Psychologie über Stille verfasst hat. Design-Thinking-Workshops sind meist rasant, alles passiert im Tun, sofort, unter Zeitdruck. Wo ist da der Raum, um Dinge wirklich zu ergründen und zu durchdenken? Was, wenn wir Stille gezielt einsetzen und mit der Journaling-Technik fruchtbar machen? Sie hat es uns in 3x3 Minuten ausprobieren lassen. In den dritten drei Minuten habe ich ein englisches Gedicht verfasst. In der Sprache, die nicht meine Muttersprache ist. Wenn wir diesen Raum erschließen, was kann da alles entstehen?

Fehler machen und sie als wertvolle Lernressource zu begreifen. Richtig, ehrlich, angstfrei, konstruktiv. Das ist immer und immer wieder ein zentrales Thema bei der Konferenz. Wie wenig selbstverständlich diese Haltung ist, wird mir immer erst klar, wenn ich aus diesem Safe Space auf die Seite der Kunden wechsle. Dabei sind Fehler es so wichtig! Ohne Fehler zu wagen finden wir nicht die besten Lösungen. Wir vergeben die Möglichkeit zu begreifen, warum etwas schiefgegangen ist. 

Diese bunte, frische, inspirierende und offene Gemeinschaft von Menschen, die sich für zwei Tage in das grüne Licht im Tobacco Theater tauchen lassen, Wildfremden als "Conference Buddies" Orientierung geben, sich von einem Gummi-Huhn in die Workshops schicken lassen, ihr intellektuelles Eigentum der Kritik aussetzen und es freigiebig teilen - das macht die besondere Atmosphäre der Design Thinking Conference aus. Seit Beginn 2017 habe ich nur einmal ausgesetzt. Mein Dank geht an die Design Thinker Academy Amsterdam und speziell an Jeroen van der Weide.

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