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Dienstag, 23. April 2024

Lernen, verbinden & Spaß haben im Team: Jamming around the World

24 Stunden zum Thema KI zwischen Pakistan und Guatemala

(c) Stephan Rürup, FH Münster

Wie bringe ich Teams aus kulturell sehr verschiedenen Ländern ins Gespräch? Wie sorge ich für Engagement und maximalen Lernerfolg? Das haben wir in einem interkulturellen Team ausprobiert, und zwar mit einem Jam zum Thema „KI und Falschinformation“. Ich habe die Veranstaltung konzipiert und die Rahmenmoderation gemacht.

Ein Jam ist ein sehr entspanntes Format. Er gibt einen klaren Rahmen vor, aber innerhalb dieses Rahmens ist sehr viel Raum für die Teilnehmer:innen - und in diesem Fall TEDx-Teams - um im eigenen Rhythmus und mit den eigenen Methoden zu arbeiten. So gab es am 19. April nachmittags eine gemeinsame Eröffnung mit fachlichen Impulsen sowie Raum zum Kennenlernen und Vernetzen, und am Folgetag eine gemeinsame Abschlusszeremonie mit Würdigung des Erarbeiteten. Die Teams saßen in Lahore/Pakistan, Johannesburg/Südafrika, Lusaka/Sambia, Guatemala City und in Münster. Moderiert habe ich aus Georgia/USA. Wir waren verbunden über eine 24-Stunden-Zoom-Session und ein Miro-Board, auf dem der Fortschritt der einzelnen Teams gut visuell nachzuvollziehen war.

Das inhaltliche Ziel des Jam war, ein „Playbook“ zum Umgang mit KI und Falschinformation zu entwickeln. Wie es genau ausschauen und welche Inhalte es liefern würde, auch das wurde im freien Spiel der Teams entwickelt. Das münstersche Team hat sich dazu im DigitalHub zusammengehockt, diskutiert und den Abend mit Pizza beendet. Das Team in Lusaka hat eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Panel-Sessions veranstaltet. In Lahore war es ein BarCamp. 

Was haben wir gelernt?

  • Eine interkulturelle Veranstaltung dieser Größe und Reichweite braucht Gelassenheit. Nicht alle Teams sind gleich engagiert oder gleichermaßen zuverlässig. Aber alle Teilnehmer:innen sind freiwillig dabei, und dieser Einsatz verdient Respekt. Ein Team hatte sich vielleicht verschätzt, wie viele Ressourcen ihnen zur Verfügung stünden. Ein anderes kämpfte mit einem Stromausfall und verschwand während der Eröffnung im digitalen Nirwana. 
  • Vom globalen Süden können wir Europäer viel lernen. Schnell hatte sich das Thema wegen der allerorts anstehenden Wahlen politisiert, und die Erfahrungen mit dem Imran Khan-Avatar in Pakistan, Falschinformationen vor den Wahlen in Guatemala oder dem angeblich verstorbenen Thabo Mbeki in Südafrika hatten bei den dortigen Teams schon zu viel Vor- und Nachdenken geführt. Was wir in Deutschland als selbstverständlich ansehen, z.B. dass wir die KI auf Deutsch füttern können, ist für Sambier mit 72 Landessprachen absolutes Wunschdenken. KI ist nicht inklusiv. Dennoch war die Bereitschaft, die KI auf Chancen für Miteinander, Kreativität und Entwicklung abzuklopfen, in den Ländern des globalen Südens ausgesprochen hoch.
  • Meetingkultur ist entscheidend für den Erfolg. Ein guter Gastgeber zu sein heißt nicht nur, Zeit zum Kennenlernen und Beschnuppern zuzulassen. Es heißt auch, einen sicheren Raum zu kreieren, in dem rasche (Vor-)Urteile außen vor bleiben und alle Fragen willkommen sind.
  • Ein Jam - wie eigentlich jedes andere Format auch - gewinnt durch klare und verständliche Strukturen, transparente Zeitpläne, klar kommunizierte Ziele und Umgangsregeln.
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