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Freitag, 06. September 2019

Wenn die Jungen den alten Kommunikation erklären

Die CSU hat sich mit dem eigenen Youtuber verzockt. Unsachliche und abwertende Kommunikation stößt auf Ablehnung.

 

Die CSU hat neuerdings Youtube für sich entdeckt und hoffte mit CSYou wohl auf Resonanz bei jüngeren Wahlberechtigten. Die allerdings ist verhalten bis vernichtend. Worum handelt es sich? In einer ersten Episode vom 31. August lästert ein aufgedrehter Blondschopf namens Armin in knapp fünf Minuten über Greta Thunbergs Atlantiküberquerung und über die Nicht-Erfolge der Grünen im Bundestag. Der Clip schaffte es umgehend in den familiären WhatsApp-Familienchat. Die auf den Punkt formulierte Kritik meiner Jüngsten zu Video und Host: effektüberladen, asozial (weil abwertend), selbstverliebt.

Die Reaktionen im Netz waren ebenso deutlich: Marvin Neumann - MinderestingPictures - verwehrt sich gegen den abwertenden Ton des CSYou-Videos und merkt kritisch an, der Clip werde den Anforderungen, welche die etablierten Parteien mal an Rezo mit seinem Zerstörungsvideo gestellt hätten, selbst nicht gerecht: nicht glaubwürdiger Host, keine Quellen und Belege. Seine Forderungen: Meinung klar kennzeichnen, weniger ablenkende Effekte, stattdessen Konzentration auf die Inhalte, sachlich informieren, sich mit den Inhalten kritisch auseinandersetzen, nicht andere schlechtmachen, sondern die eigenen Positionen erklären.
Der Bayerische Rundfunk und die Heute-Show zerpflücken die CSU-Initiative und den „Seppl-Rezo" einige Tage später weiter. Was ist das Gute an diesem misslungenen Ausflug der CSU in die Youtube-Welt?

Die Jüngeren haben in ihrem Kommunikationsverhalten einen klaren Kompass. Sie wollen einen wertschätzenden Umgangston, sachliche Argumente und eine angemessen professionelle Aufbereitung der Inhalte. In Zeiten, wo sich viele Sorgen machen über die Verrohung der Debatte in Online-Medien und -Foren und vielleicht auch darüber, dass die Technik die Inhalte überlagern und verfälschen könnte, finde ich diese Erkenntnis sehr ermutigend. Wir Ältere sollten uns von dieser Klarheit gern eine Scheibe abschneiden.

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